Ratgeber
Checkliste für den Start einer Ausbildung
Der Ausbildungsvertrag ist unterschrieben – Glückwunsch! Bevor dein erster Arbeitstag kommt, gibt es noch einiges zu erledigen: Konto, Versicherungen, Meldungen und wichtige Unterlagen. Mit dieser Checkliste behältst du den Überblick und startest entspannt in deine Ausbildung. test
Was du vor Ausbildungsbeginn erledigen solltest
Viele Punkte gelten für alle Azubis, manche nur unter bestimmten Voraussetzungen – etwa wenn du umziehst, noch minderjährig bist oder aus dem Ausland kommst. Geh die Liste Schritt für Schritt durch und hake ab, was für dich zutrifft.
- Ausbildungsvertrag prüfen – Vertrag lesen und wichtige Punkte verstehen
- Girokonto eröffnen – Damit dein Gehalt überwiesen werden kann
- Krankenversicherung klären – Eigene gesetzliche Krankenversicherung ab Ausbildungsstart
- Steuer-Identifikationsnummer bereithalten – Für die Lohnsteuer-Anmeldung durch den Arbeitgeber
- Sozialversicherungsnummer besorgen – Für Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung
- Gesundheitsbescheinigung (unter 18 Jahren) – Ärztliche Untersuchung vor Ausbildungsstart
- Kindergeld (für deine Eltern) – Weiterhin möglich bis zum 25. Lebensjahr bei Ausbildung
- Ummeldung beim Einwohnermeldeamt – Bei Umzug für die Ausbildung
- Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) – Zuschuss bei Auszug aus dem Elternhaus
- Haftpflichtversicherung prüfen – Schutz bei Schäden im Alltag oder Betrieb
- Führungszeugnis (falls verlangt) – Von manchen Arbeitgebern gefordert
- Anmeldung bei der Berufsschule – Betrieb meldet an – du klärst den Start
- Aufenthaltstitel (für Nicht-EU-Bürger:innen) – Aufenthaltserlaubnis zur Ausbildung sicherstellen
- Ersten Arbeitstag vorbereiten – Organisatorisches und Materialien klären
1. Ausbildungsvertrag prüfen
Vor Ausbildungsbeginn erhältst du einen schriftlichen Ausbildungsvertrag. Prüfe darin Dauer, Vergütung, Arbeitszeiten, Urlaub, Probezeit und die genaue Bezeichnung des Ausbildungsberufs. Bei Unklarheiten frage im Betrieb, bei der IHK/HWK oder Berufsschule nach – bevor du unterschreibst.
- Ist die Ausbildungsvergütung für jedes Lehrjahr angegeben?
- Wie lang ist die Probezeit (mindestens 1, höchstens 4 Monate)?
- Stehen Arbeitszeiten und Urlaubsanspruch im Vertrag?
2. Girokonto eröffnen
Spätestens zum Ausbildungsstart brauchst du ein Girokonto, auf das dein Arbeitgeber die Ausbildungsvergütung überweisen kann. Viele Banken bieten kostenlose Konten für Azubis an. Wenn du schon ein Konto hast, teile dem Betrieb einfach deine IBAN mit.
- Minderjährige benötigen für die Kontoeröffnung oft die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten.
- Vergleiche Kontoführungsgebühren und Leistungen – Azubi-Konten sind häufig kostenlos.
3. Krankenversicherung klären
Mit Beginn der Ausbildung bist du in der Regel nicht mehr über deine Eltern mitversichert und brauchst eine eigene gesetzliche Krankenversicherung. Vergleiche die Leistungen – viele Kassen bieten Bonusprogramme oder Spezialtarife für Auszubildende. Die Mitgliedsbescheinigung reichst du beim Betrieb ein.
- Der Arbeitgeber kann dir eine Krankenkasse zuweisen, wenn du keine wählst – ein Vergleich lohnt sich.
- Informiere dich über Zusatzleistungen wie Impfungen, Sportprogramme oder Prämien.
4. Steuer-Identifikationsnummer bereithalten
Dein Ausbildungsbetrieb meldet dich beim Finanzamt an und benötigt dafür deine persönliche Steuer-ID. Du findest sie auf dem Schreiben des Bundeszentralamts für Steuern. Falls du sie noch nicht hast, stelle rechtzeitig einen Antrag – die Zustellung per Post kann einige Tage dauern.
- Die Steuer-ID bleibt lebenslang gleich – auch bei Jobwechsel.
- Anfrage online oder beim Bundeszentralamt für Steuern unter bzst.de.
5. Sozialversicherungsnummer besorgen
Damit der Betrieb Sozialversicherungsbeiträge für dich abführen kann, braucht er deine Sozialversicherungsnummer (Rentenversicherungsnummer). Sie steht auf dem Sozialversicherungsausweis, den du oft automatisch ab 16 Jahren erhältst. Fehlt er noch, beantrage ihn bei deiner Krankenkasse oder der Deutschen Rentenversicherung.
- Ab etwa 325 Euro Ausbildungsvergütung zahlst du mit in die Rentenversicherung ein – geteilt mit dem Betrieb.
- Bei geringerer Vergütung übernimmt der Arbeitgeber die Beiträge allein.
6. Gesundheitsbescheinigung (unter 18 Jahren)
Bist du bei Ausbildungsbeginn noch nicht 18, musst du laut Jugendarbeitsschutzgesetz eine ärztliche Erstuntersuchung absolvieren und die Bescheinigung beim Arbeitgeber abgeben. Hole dir beim Einwohnermeldeamt den Untersuchungsberechtigungsschein und vereinbare einen Termin beim Hausarzt – die Untersuchung ist kostenfrei.
- Manche Arbeitgeber verlangen die Bescheinigung auch bei volljährigen Azubis.
- Die Untersuchung muss innerhalb der letzten 14 Monate vor Ausbildungsbeginn stattgefunden haben.
Die Bescheinigung belegt nur, dass die Tätigkeit deine Gesundheit nicht gefährdet – medizinische Details bleiben vertraulich.
7. Kindergeld (für deine Eltern)
Eltern erhalten Kindergeld in der Regel bis zum 18. Lebensjahr automatisch. Zwischen 18 und 25 Jahren besteht bei einer ernsthaft betriebenen Ausbildung weiterhin Anspruch – die Familienkasse muss informiert werden. 2026 sind es 259 Euro pro Monat und Kind.
- Informiere deine Eltern, damit sie den Anspruch rechtzeitig bei der Familienkasse anmelden.
- Auch bei Ausbildungswechsel oder Unterbrechung können Fristen gelten.
8. Ummeldung beim Einwohnermeldeamt
Ziehst du für die Ausbildung in eine andere Stadt, musst du dich innerhalb von 14 Tagen beim zuständigen Einwohnermeldeamt ummelden. Mitbringen: Personalausweis oder Reisepass und Wohnungsgeberbestätigung. Auch ein Zweitwohnsitz (z. B. WG während der Woche, Eltern am Wochenende) muss gemeldet werden.
- Nach der Ummeldung: Bank, Versicherungen, Mobilfunkanbieter und Post (Nachsendeauftrag) informieren.
- Versäumte Meldepflicht kann ein Bußgeld nach sich ziehen.
9. Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)
Wenn du für die Ausbildung ausziehst und nicht bei den Eltern wohnst, kannst du unter bestimmten Voraussetzungen die Berufsausbildungsbeihilfe der Agentur für Arbeit beantragen. Sie muss nicht zurückgezahlt werden – beantrage sie aber rechtzeitig, idealerweise vor dem Umzug.
- Voraussetzungen: unter 30 Jahre, eigener Wohnsitz, ausreichendes Ausbildungsgehalt nicht gegeben.
- Antrag online oder bei der Agentur für Arbeit stellen.
10. Haftpflichtversicherung prüfen
Eine private Haftpflichtversicherung schützt dich, wenn du versehentlich etwas beschädigst – etwa das Handy eines Kollegen. Wohnst du noch bei den Eltern, bist du oft über deren Familienhaftpflicht mitversichert. Frage nach; falls nicht, lohnt sich eine eigene Police.
- Azubi-Tarife sind meist günstig und lohnen sich langfristig.
- Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung kann zusätzlich sinnvoll sein – individuell prüfen.
11. Führungszeugnis (falls verlangt)
Einige Betriebe verlangen ein polizeiliches Führungszeugnis – besonders in sensiblen Branchen. Du kannst es beim Bürgeramt oder online unter fuehrungszeugnis.bund.de beantragen. Kläre frühzeitig mit deinem Arbeitgeber, ob du eines brauchst.
12. Anmeldung bei der Berufsschule
In der Regel meldet dein Ausbildungsbetrieb dich bei der zuständigen Berufsschule an. Frage im Betrieb nach, ob das erledigt ist und wann dein erster Berufsschultag ist. Für die Anmeldung werden oft Ausbildungsvertrag, Zeugnis und Passfoto benötigt.
- An Berufsschultagen darfst du vor 9 Uhr nicht im Betrieb arbeiten.
- Informiere dich über Blockunterricht vs. wöchentlichen Unterricht.
13. Aufenthaltstitel (für Nicht-EU-Bürger:innen)
Kommst du aus einem Nicht-EU-Land, muss dein Aufenthaltstitel die Ausbildung erlauben oder entsprechend erweitert werden. Kläre das frühzeitig mit der Ausländerbehörde oder einer Migrationsberatungsstelle – am besten vor Vertragsunterzeichnung.
- EU-Bürger:innen sowie Staatsangehörige aus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz können ohne besondere Hürden ausbilden.
- Deutschkenntnisse auf Niveau B2 sind in der Regel empfehlenswert.
14. Ersten Arbeitstag vorbereiten
Kurz vor dem Start solltest du mit deinem Betrieb klären, wann und wo du erscheinen musst, welche Kleidung oder Werkzeuge du mitbringen sollst und ob es einen Dresscode gibt. So startest du ohne böse Überraschungen.
- Route und Anfahrt vorher testen – pünktlich sein macht einen guten ersten Eindruck.
- Arbeitskleidung stellt der Betrieb in der Regel – Schulbücher für die Berufsschule oft selbst.
- Notiere dir den Namen deiner Ausbilder:in und Ansprechpartner:innen.
Fragen, die du deinem Arbeitgeber stellen solltest
Neben dem Papierkram lohnt es sich, die wichtigsten Regeln im Betrieb früh zu klären. So startest du souverän und weißt, woran du bist.
- Wann und wo ist mein erster Arbeitstag?
- Wie sind meine Arbeitszeiten geregelt?
- Wie lang ist meine Probezeit?
- Wie viele Urlaubstage habe ich?
- An wen wende ich mich bei Krankheit?
- Wer ist meine zuständige Ausbilder:in?
- Welche Unterlagen oder Materialien soll ich mitbringen?
- Gibt es einen Dresscode oder besondere Regeln im Betrieb?
- Wird der Betrieb Fahrtkosten oder vermögenswirksame Leistungen übernehmen?
Häufige Fragen zum Ausbildungsstart
Wann sollte ich mit der Checkliste anfangen?
Idealerweise sobald du die Zusage und den Ausbildungsvertrag hast – mindestens einige Wochen vor Ausbildungsbeginn. Manche Punkte wie Konto, Krankenversicherung und Steuer-ID brauchen Vorlauf.
Was passiert, wenn ich etwas vergesse?
Manche Formalitäten können nachgeholt werden, andere sind zeitkritisch – etwa die Gesundheitsbescheinigung unter 18 Jahren oder die BAB vor dem Umzug. Sprich bei Unsicherheit früh mit deinem Betrieb oder der Agentur für Arbeit.
Brauche ich wirklich ein eigenes Konto?
Ja, für die Überweisung deiner Ausbildungsvergütung braucht der Arbeitgeber ein Girokonto auf deinen Namen. Ein Gemeinschaftskonto mit Erziehungsberechtigten reicht oft nicht.
Muss ich mich ummelden, wenn ich bei den Eltern wohne?
Nein, wenn dein Hauptwohnsitz unverändert bleibt. Hast du zusätzlich einen Zweitwohnsitz (z. B. WG in der Ausbildungsstadt), muss dieser gemeldet werden.
Wo finde ich Hilfe bei Fragen zur Ausbildung?
Neben Betrieb und Berufsschule helfen IHK/HWK, Agentur für Arbeit und Jugendberufsagenturen. Auf Go-Ausbildung findest du außerdem unsere FAQ Ausbildung und aktuelle Ausbildungsplätze.
Noch keinen Ausbildungsplatz?
Wenn du noch auf der Suche bist, findest du auf Go-Ausbildung aktuelle Stellen, Ratgeber und alles für deine Bewerbung.
